Meine Meinung zu “Wodka mit Grasgeschmack” von Markus Mittmann

Foto: @Gisela Simak

 

1. Auflage
256 Seiten
Softcover 13 x 21 cm
ISBN 978-3-948442-00-2
erschienen 12/2019
EUR 15,95 inkl. Mwst.

Klappentext:

Ein VW-Beetle, die Autobahn Richtung Osten, eine Reise zu viert, eine Familie. Eindringlich, bildlich und voller Leben erzählt Markus Mittmann eine Geschichte von heute, legt dabei die unausweichliche Macht der Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft in einen Topf und rührt kräftig um. In mitreißenden Gegensätzen, gewürzt mit entlarvendem Humor, führt die Reise nach Polen, eine Geschichte, die bewegt, weil sie so tief mit uns selbst zu tun hat.

Erstmals seit ihrer Vertreibung wagen sich die Eltern in die Dörfer ihrer Kindheit, die Söhne dagegen in eine geheimnisvolle Welt, ein Gespinst aus Erzählungen und Vorstellungen. Die Spurensuche an Orten und in verdrängten Erlebnissen beginnt. Ob in der Enge des Autos oder bei Schweinebauch und Kraut, immer erkennbarer wird das Erinnern zum Verstehen und die Fahrt zu einer Suche nach Grenzlinien, die nur auf dieser Entdeckungsreise überschritten werden können, jetzt und nur noch ein einziges Mal. Oder nie! Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Kiener Verlag

*Eine Reise in die Vergangenheit*

Meine Meinung:

Über den zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit wird viel erzählt. Jedoch bietet diese Geschichte weitaus mehr. Ich durfte an einem Familienausflug teilnehmen. In einem quitschgelben VW-Beetle ( Mein Kopf war auf Bentley programmiert. Der Autor möge mir verzeihen!) reist eine vierköpfige Familie nach Polen. Für die Eltern ist es eine Reise nach Schlesien. Für mich war es Neuland. Ich habe die Geschichte von Vertriebenen nun von einer ganz anderen Seite kennen gelernt.

Der fast 90jährige Vater wird von Emotionen gerade nur so gebeutelt. Hat Angst, den Ort seiner Kindheit zu besuchen. Das Haus, in dem er viele Jahre gelebt hat. Von den Söhnen fährt überwiegend der ältere Sohn. Aus der Sicht des jüngeren begleiten wir die Reise. In Polen angekommen genießt unser Erzähler die leckeren Backwaren, für die Polen so berühmt ist. Der Sprachwitz lockert dieses ernste Thema ungemein auf. Sehr gut gefallen hat mir, wie freundlich die Polen auf die Schlesier reagiert haben. Gastfreundlich und mitfühlend wurde die Familie im Haus des Vaters empfangen. Ohne Vorwürfe was die Deutschen Böses gemacht haben. Vielmehr als Gleichgesinnte, die einst die Hölle durchquert haben. Und so war es ja auch wirklich. Darauf einen Wodka!

Ich glaube daran: Es gibt keine Nationalitäten. Es gibt nur Menschen und einen Himmel über diesen Menschen. (115)

Die Söhne sehen ganz einfach neue Orte. Der Vater sieht die gleichen Orte mit ganz anderen Augen. Sucht nach Erkennen. Sucht nach Gefühlen. Durchlebt stellenweise die Vergangenheit, die ja auch gute Seiten hatte. Ich habe solche Geschichten von meinen Schwiegereltern gehört, die in der Nähe von Breslau (Twardogóra) lebten. Damals hieß der Ort Festenberg. Auch sie waren Vertriebene. Leider muss ich gestehen, dass ich immer nur mit halben Ohr zugehört habe. Dabei hätten wir doch auch mit ihnen einen Ausflug in die Vergangenheit machen können!

Das Cover gefällt mir sehr gut. Es strahlt Lebensfreude aus. Es enthält für mich eine wichtige Botschaft: Egal was passiert ist. Das Leben geht weiter und kann wundervoll sein. Der Titel *Wodka mit Grasgeschmack* ist irreführend und in meinen Augen unpassend. Ich hätte auf das Buch nicht zugegriffen. Danke Markus Mittmann, dass sie mir das Buch bereit gestellt haben. Ich hätte ansonsten eine wunderbare Geschichte verpasst. Die Polen sind sehr gläubige Menschen. Gerne würde ich dort sämtliche Kirchen besichtigen.

Fazit:

Immer wieder frage ich mich, was dieser verdammte Krieg gebracht haben soll. Für diesen Mist gibt es nur ein polnisches Wort: Kurwa! (Verdammte Scheiße!) Lasst Euch bitte nicht von dem Titel des Buches abschrecken und lest es! Beenden möchte ich meine Besprechung mit einem wunderbaren Zitat von Markus Mittmann:

Vergangenheit ist der falsche Begriff für die Vergangenheit. Je genauer man hinsieht, umso deutlicher erkennt man, wie lebendig sie sich unter uns herumtreibt.

Danke Markus Mittmann. Ich denke, ich werde in naher Zukunft Twardogóra besuchen.

Markus Mittmann

Markus Mittmann, geboren in Braunschweig, studierte Germanistik, Architektur- und Kunstgeschichte, Malerei und Bildhauerei, sowie Pädagogik und Philosophie in Braunschweig.

Als Angehöriger der Universität Hannover promovierte er am dortigen Architektur-Fachbereich mit einem Thema zur Architektur des Nationalsozialismus.

Er übte verschiedene Tätigkeiten aus, zunächst in Seelsorge und Krankenpflege, danach im Bereich Architektur- und Stadtplanung und als Bildender Künstler.

Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit der Zeit des „Dritten Reichs“, auch in Form von Vorträgen, Führungen, als Uni-Dozent und Buchautor.

Aufgewachsen in einer Familie, die fast ausschließlich aus Kriegsvertriebenen bestand, gehört die Thematik dieses Buches zum Kern seiner persönlichen Erfahrungen.

 

 

 

 

2 thoughts on “Meine Meinung zu “Wodka mit Grasgeschmack” von Markus Mittmann

  1. Liebe Gisela,
    ich muss zugeben, dass ich unter dem Titel des Buches eine andere Geschichte erwartet habe. Aber wenn man Deine Rezension liest merkt man, dass der Autor eine ganz andere Richtung einschlägt die auf jeden Fall ziemlich bewegend ist und die Sicht auf die “Vergangenheit” nochmal klärt.
    Ein tolles Buch!
    Danke für die Vorstellung.
    Liebe Grüße
    Andrea ♥

    • Danke liebe Tanja

      Ich wusste ja im Vorfeld, um was es in dem Buch geht. Daher konnte es von Anfang an mein Interesse wecken.

      Liebe Grüße von der Gisela

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