Meine Meinung zu “Was bleibt wenn wir sterben” von Louise Brown

 

Klappentext:

Nach dem Tod ihrer Eltern versucht die Journalistin Louise Brown der Endlichkeit des Lebens etwas Sinnstiftendes abzugewinnen. Sie wird Trauerrednerin und Zeugin dessen, was von uns bleibt. Dies verändert nicht nur ihre Einstellung zum Tod, sondern auch ihre Haltung zum Leben. Louise Brown schenkt uns unvergessliche Bilder, die daran erinnern, was uns als Menschen ausmacht. Ein tröstendes und befreiendes Buch, das Mut macht, das Leben auf die Dinge auszurichten, die von Bedeutung sind.

Mehr zum Inhalt

Als Trauerrednerin hat Louise Brown zwei wichtige Aufgaben: Zuhören und Erzählen. Zuhören darf sie den Hinterbliebenen, die im Trauergespräch vom Leben der Verstorbenen berichten. An der Trauerfeier erzählt sie dann deren Geschichte und verleiht damit diesem schwierigen Moment des Abschiednehmens menschliche Wärme und Trost. Louise Brown erkennt, dass man durch die Beschäftigung mit dem Tod viel fürs Leben lernen kann und es nicht die großen Errungenschaften sind, sondern Wesenszüge wie Humor, Mut, Zärtlichkeit und Widerstandsfähigkeit, die bleiben, wenn ein Mensch geht. Ein Buch voller Wärme und Menschlichkeit, das Raum schafft, über die eigene Endlichkeit nachzudenken und mit ihr Frieden zu schließen. Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Diogenes Verlag

Sterben gehört zum Leben. Trauer ebenso.

Sag mir, was planst du mit deinem einen wilden und kostbaren Leben zu tun? (Mary Oliver, The Summer Day.)

Schon bei unserer Geburt ist eines gewiss. Wir werden diese Welt wieder verlassen. Der eine früher, dar andere später. Meiner Meinung nach hat sich beim Thema Sterben und Trauer in den letzten Jahren viel getan. Es gibt Palliativstationen in Krankenhäusern. (Wenn auch immer noch viel zu wenig!) Auch Hospize gibt es mehr, als vor einigen Jahren. (Auch hier noch viel zu wenig!) Es gibt Hospizvereine, bei denen sich Kranke und Angehörige Unterstützung holen können. Wenn ich an Beerdigungen aus meiner Kindheit denke, fällt der Unterschied zur heutigen Zeit sehr stark auf. Wir Kinder wurden von Beerdigungen fern gehalten. Wir wussten nur, irgendeine Tante ist gestorben. Die Geschichten um ihr Sterben machten Halloween alle Ehre. Für uns Kinder einfach nur gruselig. Einen schwerkranken Verwandten durften wir nicht besuchen. Der Anblick ist für uns Kinder nicht gut. Ich brauche nicht erwähnen, welche Bilder unser Kopfkino gezaubert hat!

Die Autorin beschreibt sehr einfühlsam, was in Menschen vorgeht, die einen Angehörigen verloren haben. Ihr Beruf als Trauerrednerin erfordert viel Empathie. Zuhören, was Angehörige über den Verstorbenen zu erzählen haben, und dies zu einer passenden Trauerrede verarbeiten, erfordert sehr viel Feingefühl. Besonders dann, wenn der Verstorbene zu Lebzeiten unbeliebt war. Vor allem nimmt sie es auch mit der Selbstfürsorge genau, die jeder Mensch im gesunden Maße praktizieren sollte. Louise Brown bekommt ihren Kopf frei, wenn sie in der Natur mit ihrem Hund spazieren geht.

Ich denke, jeder der schon mal einen geliebten Menschen verloren hat, findet sich in diesem Buch wieder. Jeder, der an einer schweren Krankheit leidet, könnte aus diesem Buch Trost schöpfen. Es zeigt, wie wertvoll es ist, einen Sterbenden loszulassen.

Wie begegne ich einem Menschen, der in Trauer ist? Ist es nicht besser, wenn ich ihm aus dem Weg gehe, bevor ich etwas Falsches sage? Nein! Absolut nicht. Wir Menschen machen in jeder Lebenssituation Fehler. Ob im Alltag oder bei der Sterbe- und Trauerhilfe. Der größte Fehler wäre jedoch, einem Trauerenden/Sterbenden aus dem Weg zu gehen.

Dieses Buch sollte in jedem Bücherregal stehen. Wenn man es auch nicht (mehr) selbst benötigt, so könnte es doch einmal hilfreich für jemanden aus der Familie oder im Bekanntenkreis sein. Gestorben und getrauert wird immer. Das Thema zu ignorieren hält das Ganze nicht von uns fern. Dieses Buch könnte ein richtiges Trostpflaster sein, für alle Menschen die sehr krank sind oder um einen Menschen trauern. Tipps, wie man eine Beerdigung gestaltet, könnte man dem Ratgeber auch entnehmen. Warum könnte? Weil nicht jeder Mensch gleich ist. Was für den einen hilfreich ist, bringt dem anderen gar nichts. Da wird auch dieses Buch keine Ausnahme machen. Ich persönlich unterschreibe jedes einzelne Wort aus diesem wertvollen Buch. Ich empfehle auch das Nachwort zu lesen.

Danke Louise Brown. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.

Louise Brown

Louise Brown, geboren 1975 in London, zog als Jugendliche mit ihrer Familie ins norddeutsche Ostholstein. Sie studierte Politikwissenschaft in Nordengland, Kiel und Berlin. Sie ist Journalistin und seit einigen Jahren auch als Trauerrednerin in Hamburg tätig. Dort moderierte sie auch das erste ›Death Café‹. In ihrem Podcast ›Meine perfekte Beerdigung‹ spricht sie mit Menschen darüber, wie sie einmal verabschiedet werden wollen. Louise Brown lebt mit ihrem Partner, zwei Kindern und Hund in Hamburg.

Hardcover Leinen
256 Seiten
erschienen am 29. September 2021978-3-257-07176-4
€ (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70
* unverb. Preisempfehlung

 

 

 

 

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