Meine Meinung zu “Unter Freunden” von Cynthia D’Aprix Sweeney

»Perfekte Paare, glückliche Familien, dramatische Rollen und schöne Orte. Und dann kommt Cynthia D’Aprix Sweeney und kratzt mit leichter Hand und scharfem Blick an den heilen Fassaden. Ein großes Lesevergnügen!« Dora Heldt

Flora Mancini ist seit über zwanzig Jahren glücklich verheiratet. Doch alles, was sie über sich selbst, ihre Ehe und ihre beste Freundin Margot zu wissen glaubt, wird auf den Kopf gestellt, als sie den lange verlorenen Ehering ihres Mannes wohlverwahrt in der eigenen Garage findet. Zufall? Unwahrscheinlich. Ein hinreißend humorvoller und warmherziger Roman über ein lang gehütetes Geheimnis, das Freundschaften und Beziehungen durcheinanderwirbelt.

Flora und Julian hatten es nicht immer leicht. In New York mussten die Schauspieler ihr mühsam verdientes Geld zusammenkratzen, um ihre kleine Familie und Julians Theaterensemble über Wasser zu halten. Als in der glitzernden Filmwelt von Los Angeles sichere Jobs und die Wiedervereinigung mit Floras bester Freundin Margot winken, greifen sie zu. Und tatsächlich erlaubt ihnen ihr neuer Lebensentwurf, einen Gang runterzuschalten und ihrer Tochter entspannt beim Aufwachsen zuzusehen. Doch dann findet Flora am Abend von Rubys Highschool-Abschluss den Ehering ihres Mannes – jenen Ring, den Julian angeblich vor Jahren an einem Sommertag beim Schwimmen verloren hat. Floras Sicherheiten geraten ins Wanken. Wurde ihr neues Leben auf einer Lüge erbaut? Bestsellerautorin Cynthia Sweeney erzählt mit großem Einfühlungsvermögen und Humor von den Herausforderungen lebenslanger Beziehungen und ihrer großen Kraft. Klappentext. Unbezahlte Werbung. Coverrechte:Klett Cotta Verlag

Schweigen oder Nichtschweigen. Das ist hier die Frage.

 

Ich habe jedes einzelne Wort genossen. Neben Einblicken in die Film und Theaterwelt bekommt man ein Ehedrama serviert, welches bei näherer Betrachtung, (nach meinem Empfinden,) so schlimm nicht ist. Ein verloren geglaubter Ring taucht wieder auf. Dies einen Tag vor Rubys Highschool-Abschluss. Ruby ist die Tochter von Flora und Julian. Das Mädchen ist sehr intelligent und sensibel. Sie spürt Disharmonien oftmals schon, bevor sie die Betroffenen selbst richtig wahrnehmen.

Flora konnte ich sehr gut leiden. Für die Familie steckt sie beruflich zurück. Ist stolz, so einen tollen Mann wie Julian abgekriegt zu haben. Das Geld war lange Zeit knapp. Erst der Umzug von New York nach Los Angeles hat tolle Film und Theaterrollen, und somit genügend Geld gebracht. Sie verliert den Glauben an ihre Ehe, als der verlorene Ehering ihres Mannes in einer Schachtel gut verwahrt wieder auftaucht.

Floras beste Freundin Margot ist eine sehr resolute Frau. Mit ihrem Mann David ist sie nach Los Angeles gezogen. Die Freude ist groß, als auch Flora und Julian nachkommen. Margot liebt Ruby abgöttisch. Verbringt gerne Zeit mit ihr und erfüllt dem Mädchen so manchen Wunsch.

Mir hat die harmonische Freundschaft zwischen den beiden Ehepaaren gut gefallen. Besonders Margot fühlt sich sehr getragen. Die kinderlose Frau muss einige Probleme bewältigen. Anfangs wusste ich sie nicht richtig einzuschätzen. Hab ihr einiges unterstellt. Konnte mit ihrem Egoismus nicht zu Recht kommen. Doch je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, umso mehr konnte ich auch ihr Handeln verstehen. Vor allem die Worte, die sie nicht gesagt hat. Ihr Handeln, das so mancher verwerflich findet. Ich dachte mir, man sollte erst mal in den Schuhen von anderen laufen, um mitreden zu können.

Julian ist ein sehr attraktiver und charmanter Mann, der Menschen für sich einnehmen kann. Eine große Lüge hat ihm lange Zeit ein schlechtes Gewissen beschert.

In der Geschichte wird deutlich, wie hart das Filmgeschäft ist. Welchen Verlockungen Schauspieler*innen widerstehen müssen. Vor allem, dass es nicht immer gelingt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten erzählt. Mal in der Gegenwart, dann wieder in Rückblenden. Einzig David war für mich nicht immer greifbar. Der Herzchirurg konnte mich als Zuschauer bei einer Theateraufführung überzeugen. Auch er hat eine große Tragödie in seinem Leben zu verzeichnen. Jedoch kam er in der Geschichte kaum zu Wort.

Flora und Julian haben einfach zu wenig miteinander gesprochen. Ich konnte ihre Liebe zueinander zwischen den Zeilen spüren. Hab wirklich gehofft, dass sie zusammen bleiben. Dieser Wunsch hat mich ab einem bestimmten Punkt so gefesselt, dass es mir unmöglich war, das Buch zur Seite zu legen. Die Tatsache, warum der Ring aufbewahrt wurde, hat mir sehr gefallen. Wäre er verschwunden geblieben, hätte es dieses tolle Buch nie gegeben.

Muss man der besten Freundin alles sagen? ist Schweigen manchmal wirklich besser? Sollte der Ehemann lieber mit der Wahrheit seine Ehe retten? Welche Motive haben Menschen, die beharrlich schweigen? Diese Fragen habe ich mir oft gestellt. Ganz ehrlich. Ich bin froh, dass ich nicht in den Schuhen von Julian und Margot gesteckt habe.

Die Geschichte ist ganz nach meinem Geschmack. Sie kommt total unaufgeregt daher und ist dennoch niemals langweilig. Sie fordert einen auf, mal über seinen Tellerrand zu blicken. Nicht immer liegt man mit der eigenen Moralvorstellung richtig. Eine Krise könnte auch ein neuer Anfang sein. Eine Lüge könnte tatsächlich auch gut gemeint sein.

Ich habe das Buch in einer Leserunde gelesen. Die Meinungen gehen stellenweise sehr weit auseinander.

Von mir eine absolute Empfehlung. Danke Cynthia D’Aprix Sweeney. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.

 

Aus dem Amerikanischen von Nicolai von Schweder-Schreiner (Orig.: Good Company)
1. Aufl. 2021, 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-98448-4
Cynthia D’Aprix Sweeney hat in New York als PR-Beraterin gearbeitet, bevor sie zum Schreiben kam. Sie lebt mit Mann und Kindern in Los Angeles. »Das Nest« ist ihr erster Roman.

 

 

 

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