Meine Meinung zu „Solange deine Schatten flüstern“ von Britta Orlowski

Ben, dorfbekannter Bad Boy, verliert sich immer mehr in Alkohol und Gewalt. Als der Richter ihm Sozialstunden auf einem Schäfereihof aufbrummt, spielt Ben mit dem Gedanken, einfach abzuhauen. Doch dann trifft er auf die 17-jährige Lavinia. Ben wird aus dem seltsamen Mädchen nicht schlau. Sie liebt es, sich im Stall und auf der Weide zu verkriechen, versteckt ihr Gesicht hinter einer riesigen Brille und beschäftigt sich ausgerechnet mit Handarbeiten. Ihr Hobby weckt ungewollte Erinnerungen in Ben: an das Patchwork und Quilten seiner Mutter – und an eine längst vergangene Zeit, in der er die
Sommerwärme noch spüren konnte.

“In Filmen hatte Ben schon unzählige Male gesehen, wie jemand stirbt. Aber in Wirklichkeit war es ganz anders, jemandem beim Sterben zusehen zu müssen.“ Verlagsinfo: El-Gato

 

Bens Geschichte ist das beste Beispiel dafür, was Menschen mit ihren Vorurteilen Schaden anrichten können. Er gibt sich ohnehin schon die Schuld, an dem Tod seines kleinen Bruders Fynn. Er kann keine Nacht mehr durchschlafen. Immer wieder erlebt er den tragischen Unfall.  Damit nicht genug. Es werden ihm Dinge nachgesagt, deren Wahrheitsgehalt ziemlich niedrig ist. Ben ist sehr traurig. Er trinkt zuviel Alkohol. Er lässt sich von fiesen Menschen provozieren. Nach seinem letzten Verkehrsdelikt wird er zu Sozialstunden auf einem Schäfereihof verdonnert.

Die Geschichte berührt sehr. Die Protagonisten in dem Buch kommen glaubwürdig rüber. Die Bewohner auf dem Schäfereihof sind sehr empathisch. Sie geben Menschen eine Chance, die in ihrem Leben schon viel Mist gebaut haben. Man packt sich beim Lesen oftmals selber an die Nase. Überlegt, wie oft man bösen Gerüchten zuviel Glauben geschenkt hat. Erinnert sich daran, dass oftmals Geschehnisse anders waren, als man gedacht hat. Die zierliche Lavina begegnet Ben Anfangs mit Misstrauen. Ben zieht sie gerne wegen ihrer Brille im XXL- Format auf. Neckt sie immer wieder damit, dass sie jetzt bald ein „Elitekollätsch“ besucht.  Doch beide spüren ein unsichtbares Band, welches sie verbindet. Beide sind von Unsicherheiten geplagt und verstecken diese hinter einer Fassade. Der Schlagabtausch zwischen den beiden ist oftmals unheimlich lustig. Da hat sich die Autorin in alter Manier so richtig ausgetobt.

 

Britta Orlowski ist ein richtiger Tausendsassa. Ob in ihrer St. Elwine Reihe oder historischen Romanen. Sie überzeugt den Leser. Auch mit diesem Jugendbuch hat sie den Lesernerv getroffen. Schwierigen Themen bringt sie mit ihrem lockeren Schreibstil verständlich rüber. Um sie zu verstehen braucht man also kein „Elitekollätsch“ besucht zu haben. Die Geschichte enthält biografische Elemente. Man spürt beim Lesen das Herzblut, welches die Autorin in diese Geschichte gesteckt hat. Wieder einmal wird klar, dass jedes Problem gelöst werden kann, wenn man auf sein Herz hört. Man darf nicht alles glauben. Vieles davon ist „Blödz’n!“

Unbedingt lesen! Danke Britta Orlowski.

 

Fahr nicht schneller als dein Schutzengel fliegen kann.

 

Britta Orlowski wurde im Jahr 1966 geboren – eine Schnapszahl, ich weiß, meine Eltern hätten gleich stutzig werden sollen. Stattdessen zogen sie mich mit viel Liebe, Wärme und schönen Geschichten auf. Sie nahmen meine zahlreichen kreativen Experimente gelassen hin und nährten meine ohnehin uferlose Fantasie noch mit zauberhaften Erzählungen über Spielzeug, welches zum Leben erwacht, sobald ich des abends eingeschlafen sei.

So wuchs ich also in meiner Geburtsstadt Rathenow auf, absolvierte die zehnklassige polytechnische Oberschule und erlernte den Beruf der stomatologischen Schwester in der Kreispoliklinik.

Ich angelte mir einen netten Mann, dem ich sage und schreibe im taufrischen Alter von fünf Jahren zum ersten Mal begegnete und ihn sogleich aus tiefstem Herzen verabscheute. Zum Glück änderte ich später meine Meinung – wir heirateten und gründeten eine Familie. Ihm verdanke ich meine lieben Söhne, die überhaupt die schönsten Babys der Welt waren.

Im Erziehungsurlaub wurde mir rasch langweilig. Beim Aufräumen stieß ich auf die Manuskripte aus meiner jugendlichen Sturm- und Drangzeit. Ich begann erneut, Geschichten zu schreiben – nur so für mich. Wenige Jahre später infizierte ich mich mit dem Patchworkvirus und hänge seitdem an der Nadel. Doch auch das Schreiben ließ mich nicht mehr los. Nach einigen Überlegungen kam ich zu dem Schluss, dass es bestimmt einen Weg gibt, beide Hobbies zu verbinden. So entstand mein erster Roman „Rückkehr nach St. Elwine“.

Da mir der Abschied von meinen Hauptfiguren am Ende so schwer fiel, war die Idee geboren, daraus mehr zu machen. Eine lockere Serie mit in sich abgeschlossenen Geschichten, die stets am gleichen Ort, dem fiktiven Küstenstädtchen in der Chesapeake Bay, spielen. Nach langem Suchen habe ich ein begeisterungsfähiges Verlagsteam gefunden.

 

 

4 thoughts on “Meine Meinung zu „Solange deine Schatten flüstern“ von Britta Orlowski

  1. Guten Abend liebe Gisela,
    das Buch hört sich nach einer ganz bezaubernden Geschichte an. Deine Rezi macht auf jeden Fall Lust sich das Buch zu kaufen und darin zu versinken.
    Danke für den tollen Tipp.
    Herzliche Grüße
    Andrea ♥

    • Guten Morgen Andrea

      Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Buch auch für dich etwas ist. Es ist tiefgründig und mit viel Humor. Würde mich freuen wenn du es liest.

      Ganz liebe Grüße und einen schönen Feiertag,
      Gisela

  2. Huhu Gisela
    Das Cover vom Buch gefällt mir sehr gut aber was mir noch besser gefällt ist die Inhaltsangabe und deine Rezi dazu hat mir gesagt, das Buch kommt auf meine Wunschliste.
    Liebe Grüße
    Manuela

    • Huhu Manuela

      Ich kann dir das Buch eher empfehlen. Da machst du wirklich nichts falsch. Ich hab es mir auf den Kindle geladen.

      Liebe Grüße,
      Gisela

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