Meine Meinung zu “Raumfahrer” von Lukas Rietzschel

Klappentext:

Jan und seine Eltern sprechen nicht viel über das Heute und erst recht nicht über das Gestern. Erst als Herr Kern auftaucht, kommt das fragile Gleichgewicht der Familie ins Wanken: Welche Beziehung führte Jans Mutter mit dem Vater von Herrn Kern? Und was haben die Kerns mit der Kunst von Georg Baselitz zu tun? Immer weiter arbeitet sich Jan durch das Schweigen mehrerer Generationen, taucht ein in die Geschichte der Baselitz-Brüder, die Geschichte seiner Eltern und begreift, dass die Gegenwart nicht nur aus der eigenen Vergangenheit besteht.

Behutsam und voller Empathie zeichnet Lukas Rietzschel ein eindrückliches Bild von Menschen, die durch große gesellschaftliche und politische Veränderungen geprägt sind – und von Verletzungen, die sich durch Generationen hindurchziehen und scheinbar nie verheilen. Unbezahlte Werbung. Coverrechte: dtv-Verlag

Auf Anhieb wusste ich nicht viel mit dieser Geschichte anzufangen. Da mir der Schreibstil des Autors zusagt, habe ich tapfer weiter gelesen. Das hat sich gelohnt. Ich mag ja gerne Geschichten, die von der ehemaligen DDR handeln. Lukas Rietzschel hat alles sehr bildlich beschrieben. So hatte ich die Plattenbauten vor Augen, von denen immer mehr leer standen. Ein Krankenhaus ohne Patienten, welches kurz vor der Schließung steht. Das alles erleben wir aus der Sicht von Jan. Eingebettet in eine Familiengeschichte, die vor Geheimnissen nur so strotzt. So war ich sehr neugierig, was den Vater von Herr Kern und Jans Mutter verbindet. Welche Rolle der Künstler Georg Baselitz (Hans Georg Kern) spielt, fand ich auch sehr interessant. Ich habe mir zu dem Bildhauer und Maler Infos aus dem Netz geholt.

So bin ich von Kapitel zu Kapitel immer mehr in die Geschichte hineingewachsen. Wahrscheinlich hätte mich dieser Roman kurz nach der Wende viel mehr begeistern können. Die zwei Zeitebenen haben mir gut gefallen, da sie gekonnt in das Geschehen eingeflechtet wurden. Die Sprache ist manchmal sehr speziell. Den einen oder anderen Satz musste ich zweimal lesen.

Eine Familiengeschichte mit sehr vielen Geheimnissen, bei der sich am Ende alles zu einem Ganzen fügt. Der Schreibstil hat mein Kopfkino aktiviert. Sämtliche Protagonisten sind sehr gut gezeichnet. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, konnte mich der Roman dann nach ca. einem Drittel doch noch abholen.

Danke Lukas Rietzschel

Details
EUR 22,00 € [DE], EUR 22,70 € [A]
dtv Literatur
Originalausgabe, 288 Seiten, ISBN 978-3-423-28295-6
23. Juli 2021

 

LUKAS RIETZSCHEL

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen, lebt in Görlitz. Sein Debütroman ›Mit der Faust in die Welt schlagen‹ erschien 2018 und war ein Bestseller, der auch seinen Weg ins Theater fand. Der Roman war für den aspekte-Literaturpreis nominiert und erhielt den Gellert-Preis. Im Frühjahr 2021 wird am Schauspiel Leipzig der erste dramatische Text von Lukas Rietzschel uraufgeführt. Der Autor wird 2022 Stipendiat der Villa Aurora Los Angeles sein.

 

 

 

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