Meine Meinung zu „Ein halbes Herz“ von Sofia Lundberg

Ein halbes Herz von Sofia Lundberg.DEUTSCHE ERSTAUSGABE Aus dem Schwedischen von Kerstin Schöps Originaltitel: Ett frågetecken är ett halvt hjärta Originalverlag: Forum Hardcover mit Schutzumschlag, 416 Seiten, 13,5 x 21,5 cm ISBN: 978-3-442-31494-2 Erschienen am 02. März 2020 Lieferstatus: Dieser Titel ist lieferbar.

Der Nr.1-Bestseller aus Schweden: Kann man mit einem Herzen voller Geheimnisse wirklich lieben?

Ihre Kamera ist ihr Schutzwall gegen die Welt – denn obwohl die schwedische Fotografin Elin Boals eine glänzende Karriere in New York absolviert, hat sie sich zurückgezogen in ihren ganz eigenen Kosmos. Niemandem gewährt sie Zugang zu ihrem Inneren, nicht einmal ihrer Familie. Als sie völlig unerwartet einen Brief aus ihrer Heimat Gotland erhält, brechen die Erinnerungen mit Macht über sie herein. Denn Elin hütet ein tragisches Geheimnis – eine tiefe Schuld, die sie damals dazu trieb, die Insel für immer zu verlassen. Und nun spürt sie, dass sie an den Ort ihrer Kindheit zurückkehren muss, wenn sie jemals wirklich glücklich werden will …

»Unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen!«

Grazia (07. Mai 2020) Verlagsinfo: Goldmann

Ein Fragezeichen ist immer nur ein halbes Herz!

1. Satz: Dämmerung. Die Sonne geht hinter den Hochhäusern unter, die man durch die hohen Loftfenster sehen kann.
Elin Boals ist ist eine erfolgreiche Fotografin in New York. Hinter ihrer Kamera fühlt sie sich wohl und sicher. Ihr Mann Sam will die ständige Abwesenheit seiner Frau nicht mehr akzeptieren. Der erfolgreiche Geschäftsmann hat es satt, ständig alleine daheim zu sein. Tochter Alice wird auch stets von ihrer Mutter enttäuscht. Sam merkt schon lange, dass Elin ein Geheimnis mit sich herumträgt. Nachdem er einen Brief aus Schweden entdeckt, ist er sich sicher, dass Elin irgendwas verschweigt. Er kann sich nicht erklären, warum seine Frau einen Brief in schwedischer Sprache erhält.
Das ist eine Geschichte, die meinen Geschmack total getroffen hat. Ich liebe Familiengeheimnisse. Jedes Kapitel beginnt abwechselnd in New York 2017 oder Heivide, Gotland 1979. Besonders die Ereignisse in der Vergangenheit haben mich in ihren Bann gezogen. Eine Sternenkarte aus Schweden hat Elins Schutzwall, den sie sich mühsam aufgebaut hat, ins Wanken gebracht. Die Worte *Ich habe dir einen Stern gekauft* haben sie in ihre Kindheit nach Schweden zurückversetzt. Einer Kindheit, die glücklich und tragisch zugleich war.
Mir war Elins Verhalten ein Rätsel. Ich konnte nicht verstehen, warum sie ihrer kleinen Familie nichts aus ihrer Vergangenheit erzählt. Je mehr ich jedoch aus ihrem Familienleben in Schweden  erfahren habe, umso besser konnte ich ihre Beweggründe nachvollziehen. Ihre innere Zerrissenheit war zwischen den Zeilen spürbar. Ihr Fulltimejob hat nicht viel Zeit für Familienleben übrig gelassen. Doch nur hinter der Kamera kommen ihre Gedanken zum Verstummen. Als sie einmal eine Autorin fotografiert, erinnert sie sich, wie gerne sie selbst einmal gelesen hat. Welch große Rolle Bücher in ihrem Leben gespielt haben. Die Erzählungen aus ihrer Kindheit haben mich an ihrem Leben auf der Insel Gotland teilhaben lassen. Das rauhe Wetter und die Umgebungsbeschreibungen sind sehr bildlich beschrieben.
Die kleine Elin konnte mein Herz berühren. Hat mir die große Elin mit jedem Kapitel eine ganzes Stück näher gebracht. Ihre tragische Familiengeschichte hat mir so manche Träne entlockt.
Die Protagonisten haben alle absoluten Erkennungswert. Ich habe nun das Gefühl, die Menschen in Schweden persönlich zu kennen, mit all ihren Ecken und Kanten. In New York habe ich eine distanzierte Elin erlebt. In Schweden die wahre Elin.
Elins Tochter besteht darauf, mit ihrer Mutter nach Schweden zu reisen. Elin muss sich ihrer Vergangenheit stellen. Eine Vergangenheit, die durch einen Irrtum ihr ganzes weiteres Leben auf den Kopf gestellt hat. Die natürliche Alice lernt ihre Mutter nun endlich wirklich kennen.
Es gibt sie. Die Bücher, bei denen man sich nicht von den Protagonisten verabschieden will. „Ein halbes Herz“ ist eins davon. Die Autorin hat es wieder geschafft, mich die Welt ringsherum vollkommen vergessen zu lassen. In bin in das Leben von einer Frau eingetaucht, die mir Natur und das beschauliche Inselleben auf Gotland näher gebracht hat. Die mir gezeigt hat, wie ein Trauma in der Kindheit, das ganze Leben beeinflussen kann. Die Frau Elin kommt sehr distanziert rüber. Das Kind Elin warmherzig und unendlich tapfer.
Eine absolute Empfehlung von mir. Danke Sofia Lundberg.

Sofia Lundberg

Sofia Lundberg wurde 1974 geboren und arbeitete als Journalistin in Stockholm, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Büchern widmete. Mit ihrem Debütroman »Das rote Adressbuch« eroberte sie die schwedische Literatur- und Bloggerszene im Sturm, woraufhin die Rechte in über 30 Länder verkauft wurden.

5 thoughts on “Meine Meinung zu „Ein halbes Herz“ von Sofia Lundberg

  1. Hallo liebe Gisela,
    man merkt deiner Rezension richtig an, wie tief du in die Geschichte abgetaucht bist und dass du sehr schöne und intensive Lesemomente mit diesem Buch hattest. Das freut mich sehr. Auch konntest du mich neugierig auf das Geheimnis machen,dass die Protagonistin für sich behält. Eine sehr schöne Buchvorstellung. <3

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

  2. Liebe Gisela,
    schön, dass auch du das Buch mochtest! Es polarisiert. Viele mögen es nicht. Ich finde, es zeigt sehr gut, welche Auswirkungen eine kaputte Kindheit haben kann und wie sie einen als Erwachsenen beeinflussen kann. Auch, wie Schuldgefühle einen zerstören.
    GlG, monerl

    • Das hab ich schon bemerkt. Viele vergleichen es auch mit „Das rote Adressbuch!“ Ich finde dieses Buch genauso gut. Es ist halt anders. Genau Monerl! Die Kindheit hat Elin zu dieser kühlen Frau gemacht. Unter ihrer Fassade sieht es ja ganz anders aus.

      Liebe Grüße,
      Gisela

      • Ja, die beiden Bücher kann man überhaupt nicht vergleichen. Die Basis der Bücher ist eine gänzlich andere. Aber natürlich kann man nicht alle Bücher mögen. Dem*r einen gefällt´s, dem*r anderen nicht. Ich mochte es auch sehr. 🙂
        GlG, monerl

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