Meine Meinung zu “Die Flüchtigen” von Alain Damasio

Klappentext:

Ein atemberaubender Roman, der alle Kategorien sprengt! Über 250 000 verkaufte Exemplare in Frankreich.

Sahar und Lorca führen mit ihrer Tochter Tishka ein glückliches Familienleben. Als Tishkas Bett eines Morgens leer ist, obwohl alle Fenster und Türen fest verschlossen sind, verändert sich alles. Während Sahar sich zurückzieht und zunächst an eine Entführung glaubt, geht Lorca einer urbanen Legende nach: Er vermutet, dass Tishka bei den sogenannten Flüchtigen ist, Wesen, die angeblich unerkannt in den toten Winkeln unserer Wahrnehmung leben. Als merkwürdige Symbole an der Wand ihres Kinderzimmers erscheinen, steht fest: Tishka lebt, und sie versucht, zu kommunizieren. Gemeinsam mit Freunden und Weggefährten versuchen Sahar und Lorca Kontakt aufzunehmen, und dringen in eine fremdartige Welt vor, die sich immer dort befindet, wohin wir gerade nicht schauen. Doch je näher sie ihrer Tochter kommen, desto größer wird das öffentliche Interesse an dem Fall, denn bald wird klar, dass die Flüchtigen die Fähigkeit haben, vermeintliche Notwendigkeiten radikal umzudeuten. Tishka wird zur meistgesuchten Person des Landes. Ob sie überhaupt noch eine Person ist oder schon etwas ganz anderes, ist nicht klar.

Alain Damasio zeigt einen vom Lobbyismus geprägten Kapitalismus im Endstadium: Überwacht werden wir nicht, um unterdrückt zu werden, sondern damit man uns Dinge verkaufen kann, die uns das Leben in der Überwachung erträglicher machen. Allein die Flüchtigen weisen den Weg aus dem Konsumzwang. Ihre Wandel- und Formbarkeit bildet sich in der Typografie ab, hinter der der Text immer mehr zum Rätsel wird. Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Matthes & Seitz Berlin Verlag

Als ich mich bei der Leserunde zu “Die Flüchtigen” beworben habe, war ich überglücklich zu den Gewinnerinnen zu gehören. Das kleine Mädchen Tishka verschwindet spurlos aus einem Raum, in dem alles fest verschlossen ist. Es gibt Flüchtige, die für uns Menschen nicht sichtbar sind. Die sich in toten Winkeln verstecken und sich selbst zerstören, sobald ein ausgebildeter Jäger sie sieht. Tishkas Vater Lorca ist eigentlich zu alt, um Flüchtige zu jagen. Er lebt von seiner Frau Sahar getrennt. Sahar kann nicht verstehen, dass ihr Mann an so etwas wie Flüchtige glaubt und seine Zeit mit deren Suche vergeudet. Das klang für mich absolut spannend. Nach einem Buch, welches ich unbedingt lesen möchte. Ich versuche nun zu schreiben, warum dieses Buch absolut nichts für mich war.

Die Geschichte spielt in Frankreich 2040. Es gibt keine normalen Großstädte mehr. Sie sind privatisiert. Die Menschen stehen unter absoluter Kontrolle. Wer keinen Ring trägt, der alles übermittelt was der Träger gerade macht, hat keine Rechte und vor allem keinen Schutz.

Das alles klingt absolut fantastisch. Ich habe mich aber schnell von dem ausschweifenden Schreibstil überfordert gefühlt. Satzzeichen, die zeigen von welchem Protagonisten gerade die Rede ist, haben ihr Übriges dazu beigetragen. Dabei kamen immer wieder Passagen, die mich durchaus gefesselt haben. Ich finde diese Geschichte sehr realitätsnah, mit einer großen Portion Fiktion garniert. Vor allem den Schmerz von Sarah konnte ich nachempfinden. Das muss wirklich sehr schlimm sein, wenn eine Mutter nicht weiß, was mit ihrem kleinen Mädchen passiert ist. Jedoch hätten, (meiner Meinung nach,) 300-400 Seiten gereicht. Die Kernaussage war mir ziemlich schnell klar. Trotz gut geführter Leserunde, musste ich mich zum weiterlesen zwingen. Ich habe das eine oder andere mal gar nicht ausdrücken können, was ich gelesen habe. Was genau meinen Lesefluss zum Stocken brachte. Das liegt aber nicht an dem Autor und seinen Schreibstil. Ich gehöre ganz einfach nicht zur Zielgruppe dieses Buches. Ich habe dieses Buch nun beendet. Gute 800 Seiten lang war ich einer Welt gefangen, in der wir uns eigentlich auch in der Realität bewegen. Das Ende fand ich emotional, aber leider auch wieder total überzogen.

Ich weiß, ich habe ein besonderes Buch in den Händen gehalten. Die Geschichte gehört mit Sicherheit nicht zum Einheitsbrei. Für mich war sie leider zu verwirrend und ausschweifend. Die vielen verschachtelten Sätze haben mir den Lesefluss sehr erschwert. Wie sich der Medienkonsum auf Kinder auswirkt, wurde sehr gut beschrieben. Das ist mit Sicherheit keine Fiktion und sollte uns alle zum Nachdenken anregen.

Danke Alain Damasio

Alain Damasio

Alain Damasio, 1969 in Lyon geboren, ist Romancier, Musiker, Klangartist, Entwickler von Videospielen und noch vieles andere mehr. In seinen Romanen, von der Kritik gefeiert, vom Publikum verschlungen, erforscht Damasio die unerschöpflichen Möglichkeiten polyphoner Narrative in einer geradezu physiologischen Bearbeitung der Sprache, die zum Motor der Emanzipation im weitesten Sinne wird. Sein Roman Die Flüchtigen wurde 2019 mit dem Preis Meilleur Livre der Zeitschrift Lire ausgezeichnet. 2020 erhielt Damasio für seinen Roman den Grand Prix de l’Imaginaire.

Die Flüchtigen

838 Seiten, gebunden
Übersetzung: Milena Adam
Preis: 28,00 €

One thought on “Meine Meinung zu “Die Flüchtigen” von Alain Damasio

  1. Liebe Gisela,
    meinen Respekt, dass Du die Herausforderung durch das Buch angenommen hast. Die Thematik des Buches gefällt mir, jedoch gehöre ich wohl auch nicht zur passenden Zielgruppe. Danke für die Vorstellung.

    LG Tanja

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