Meine Meinung zu “Bergsalz” von Karin Kalisa

Verlag: Droemer HC Erscheinungstermin: 02.11.2020 Lieferstatus: Verfügbar 208 Seiten ISBN: 978-3-426-28208-3 Autorin: Karin Kalisa

Bergsalz

Roman

Ein Roman voller Weltwissen und Tatkraft: Bestseller-Autorin Karin Kalisa erzählt von einer Graswurzelbewegung ganz eigener Art.

Dass man so klein wie “füreineallein” eigentlich gar nicht denken und nicht kochen kann, ist von jeher Franziska Heberles Überzeugung. Trotzdem kommt das mittägliche Klingeln an ihrer Haustür unerwartet, ungebeten und ungelegen: Eine Nachbarin. Dann noch eine. Es reicht – und reicht noch nicht. Denn auf einmal fühlt sich das Ungelegene absolut richtig und vor allem steigerungsfähig an: Doch wie kann das überhaupt gehen? Ein Mittagstisch für viele – hier, im ländlichen weiten Voralpenland, wo Einzelhof und Alleinlage seit Generationen tief in die Gemüter sickern? Und es nicht jedem passt, wenn sich etwas ändert. Es braucht Frauen aus drei Generationen: Franzi, Esma und Sabina. Nicht jede ‘von hier’, aber aus ähnlichem Holz. Es braucht Ben, der wenig sagt, aber wenn, dann in mancherlei Sprachen; es braucht Fidel Endres, einen Vorfahr, der etwas Entscheidendes hinterlassen hat – und einen halbleeren Kübel Alpensalz in einer stillgelegten Wirtshausküche, der zeigt: Dem Leben Würze geben, ist keine Frage der Zeit.

Eindringlich, mitreißend und von wilder Schönheit schreibt Karin Kalisa – Bestseller-Autorin von »Sungs Laden«, »Sternstunde« und »Radio Activity« – über Einsamkeit und Mitmenschlichkeit, über Eigensinn und Gemeinsinn. Verlagsinfo: Droemer Knaur. Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Verlag.

Mit einer Prise Salz aus der Einsamkeit.

Diese Geschichte, die im Voralpenland spielt, konnte mich von Anfang an abholen. Franziska Heberle lebt einsam in ihrem Haus, seitdem ihr Mann gestorben ist. Zu den Nachbarn verhält sie sich freundlich, aber distanziert. Als auf einmal um die Mittagszeit eine Nachbarin vor der Türe steht, empfindet das die Franziska erst mal als ziemlich unhöflich. Dann hält die ihr auch noch eine leere Tasse hin, die sie ihr mit Mehl befüllen soll. Schnell merkt die Franziska, dass dies nur ein Vorwand ist. In dieser Gegend ist jeder mir genügend Lebensmittel eingedeckt. Falls man wetterbedingt mal von der Außenwelt abgeschnitten ist, muss jeder schließlich genügend Vorräte haben. Franziska wundert sich über sich selbst, als sie den Störenfried zum Mittagessen einlädt und die Gesellschaft schon bald auch als angenehm empfindet. Dann klingelt es prompt nochmal. Da waren sie schon drei!
Mir hat sehr gut gefallen, wie die einsamen Frauen zueinander gefunden haben. Jeden Tag bei einer anderen einsamen Seele gekocht und gegessen wurde. Die Idee, ein stillgelegtes Wirtshaus wieder zum Leben erwecken, hat auch auch die Syrerin Esma überzeugt. Oben im Haus die Syrer, unten eine Küche, die für jeden der mag, wunderbares Essen zaubert. Essen verbindet. Na und ein halbvoller Eimer mit Bergsalz verleitet zum Naschen.
Auch aktuelle Probleme finden Erwähnung. Klimawandel und Flüchtlinge. Das alles in einer besonderen Sprache, die nicht immer einfach zu lesen war. Besonders die Passagen aus der Vergangenheit haben meinen Lesefluss gestört. Aber schnell war ich jedes mal wieder in der Spur.  Die Frauen empfand ich sehr sympathisch. Vor allem Esma, die sich wunderbar mit den anderen Dorfbewohnerinnen arrangiert hat.
Ich habe mir überlegt, ob dieses Büchlein nicht für andere ältere Damen ein Anreiz sein könnte. Zusammen kochen und Essen wäre doch ein guter Weg, der Einsamkeit zu entfliehen. In dieser Geschichte gesellt sich ja auch noch die junge Sabina dazu. Eine mit Prinzipien. Eine, über die ich sehr oft schmunzeln musste. Eine, die das Herz am rechten Fleck hat. Eine, mit genialen Ideen für die Küche. Und das Drumherum.
“Füreineallein”muss man nicht kochen. Für mehrere macht es doch viel mehr Spaß. Besonders anschließend das Essen. Neben dem Bergsalz  verleiht Allgäuer Dialekt der Geschichte die richtige Würze. Ich konnte zwar nicht durch die Geschichte rasen, aber das muss ja auch nicht sein. Für vier Dinge sollte man sich unbedingt immer Zeit nehmen.
  • Kochen
  • Essen
  • Lesen
  • Die Gehaltszettel der Männer genau ansehen.

Warum letzteres? Das erzählt Euch Sabina alles viel besser als ich. Von mir, trotz der Kritikpunkte, eine absolute Empfehlung. Wie mir das Ende gefallen hat? Da war ich irgendwie total überrumpelt ….. Mit so einem traurigen Abschluss habe ich nun wirklich nicht gerechnet.

Danke Karin Kalisa, für diese besondere Geschichte.

Karin Kalisa

Karin Kalisa, geboren 1965, lebt nach Stationen in Bremerhaven, Hamburg, Tokio und Wien seit einigen Jahren im Osten Berlins. Sowohl als Wissenschaftlerin als auch mit dem Blick einer Literatin forscht sie in den Feldern asiatischer Sprachen, philosophischer Denkfiguren und ethnologischer Beschreibungen. Nach Karin Kalisas erstem Roman “Sungs Laden” erschienen ihre Wintererzählung “Sternstunde” und ihre weiteren Romane “Radio Activity” und “Bergsalz”.

6 thoughts on “Meine Meinung zu “Bergsalz” von Karin Kalisa

  1. Hallo Gisela,
    ich mochte das Buch auch gern lesen, die Idee mit der offenen Küche und den neu erweckten Gemeinschaftssinn der Frauen habe ich ich auch gern miterlebt. Doch wie hast du die Einschübe mit dem Kleingedruckten erlebt? Gerade die haben es mir auch beim langsamen Lesen nicht einfach gemacht.
    Liebe Grüße
    Barbara

    • Liebe Barbara

      Die Einschübe in die Vergangenheit mochte ich nicht besonders. Nicht wegen der kleinen Schrift. Mit Lesebrille ging es. Aber in dieser Geschichte haben mir Passagen einfach nicht gefallen, obwohl ich so Rückblenden normalerweise gerne mag. Sie konnten mich nicht berühren. Ansonsten liebe ich die Geschichte.

      Ganz liebe Grüße,
      Gisela

  2. Hallo liebe Gisela,
    was für ein interessantes Buch 🙂 Die Grundidee gefällt mir sehr und ehrlich gesagt finde ich es toll, wenn man ein Buch langsam und mit Bedacht liest, als es schnell runterzurattern.
    Spricht für die Geschichte, dem Setting und den Protagonisten.
    Danke für die tolle Vorstellung und fürs Neugierig machen.
    Liebe Grüße
    Andrea ♥

    • Hallo liebe Andrea

      Ja, die Grundidee ist wirklich wunderschön. Beim Lesen soll man sich schon auch Zeit lassen. Das vergisst man in dieser schnelllebigen Zeit gerne mal.

      Danke für deine lieben Besuche bei mir. Da freue ich mich jedes mal.

      Liebe Grüße von der Gisela

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