Gastrezensentin Tanja Rothert rezensiert „Die dunklen Mauern von Willard State“ von Ellen Marie Wiseman

Piper Verlag (Erscheinungsjahr 2015) 455 Seiten

Klappentext

Zehn Jahre ist es her, dass eine schicksalhafte Nacht für Izzy Stone alles veränderte: Ihre Mutter erschoss ihren Vater, während er schlief. Seitdem lebt die nun 17-Jährige bei Pflegefamilien. Als sie für ein Museum Gegenstände ehemaliger Insassen der alten und berüchtigten psychiatrischen Anstalt Willard State Asylum katalogisiert, stößt sie auf einen Stapel ungeöffneter Briefe und das alte Tagebuch einer gewissen Clara Cartwright. Je mehr sie über Claras Leben in Erfahrung bringt, desto mehr klären sich auch die Rätsel ihres eigenen Lebens … Infos: Amazon. Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Verlag.

Tanjas Meinung

Neugierig machte mich hier neben Klappentext und Cover, die Tatsache, dass es das Willard State Hospital wirklich gab. Durch Übermittlungen weiß man, dass seinerzeit sehr schnell die Frauen – wenn sie nicht spurten – in solche Einrichtungen verbracht wurden.
Der Schreibstil liest sich leicht und dennoch fesselnd. Ich hatte Mühe, das Buch zur Seite zu legen. Ich mag Geschichten mit zwei Zeitsträngen.
Gegenwart: Die 17-jährige Izzy hat es bisher schwer gehabt, wieder eine neue Pflegefamilie und Schule. Der Start in der neuen Schule ist schon mal katastrophal, Jugendliche können schon wirklich grausam sein. Anfangs hat Izzy Probleme, ihrer Pflegemutter bei der Recherche von hinterlassenen Koffern der ehemaligen Nervenheilanstalt Willard State zu helfen. Doch dann entdeckt sie Claras Koffer und in ihm ihr Tagebuch. Die Suche nach Claras Vergangenheit hilft Izzy auch ihre eigenen Probleme zu bewältigen.
30er Jahre: Clara möchte gegen ihre strengen und herzlosen Eltern aufbegehren und sich nicht zwangsverheiraten lassen, denn sie liebt Bruno, der nur von einfacher Herkunft ist. Nach ihrem Aufbegehren wird sie kurzerhand in einer Nobel-Nervenheilanstalt untergebracht, dies wurde dem Vater auf die Dauer zu teuer und so kam sie in die staatliche Einrichtung in Willard. Katastrophale Zustände und brutale Behandlungsmethoden sind dort an der Tagesordnung. Wie lange wird es dauern, bis man Claras Lebenswillen bricht und sie doch dem Wahnsinn erliegt. Was passiert mit ihrem ungeborenen Kind? Wird Bruno einer ihrer Briefe erreichen und kann er ihr helfen?

Die Autorin schafft, es beide Erzählstränge gekonnt zu vereinen und dem Ganzen ein für mich befriedigendes Ende zu bereiten.

Tanjas Fazit

Das Buch hat mich tief getroffen. So ist doch gerade die Geschichte von Clara zur damaligen Zeit bestimmt kein Einzelfall gewesen. Menschenunwürdige Zustände, Gewalt und Schikane beherrschten den Alltag. Nur wer stark war, hielt dies aus ohne wirklich durchzudrehen. Viele starben. Dabei wollten die meisten nur ein klein wenig Glück und Leben. Auch Izzys Geschichte ging mir ans Herz. Schrecklich, was sie in jungen Jahren erleben musste. Ständig neue Pflegefamilien und neue Schulen, zu oft traf sie auf Ablehnung. Ich hätte sie so in den Arm nehmen können. Doch wie stark sie auch war, sich allem zu stellen. Sowohl Clara als auch Izzy waren für mich zwei starke Charaktere, die mir gut gefallen haben. Eine eindeutige Leseempfehlung von mir.

Ellen Marie Wiseman wurde in Three Mile Bay, einer kleinen Ortschaft im Bundesstaat New York, geboren. Sie besucht häufig ihre Verwandten in Deutschland und interessiert sich sehr für deutsche Geschichte und Kultur. Wiseman lebt zusammen mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und drei Hunden am Ufer des Lake Ontario.

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