Das meint Gastrezensentin Tanja zu “Schloss Liebenberg, Hinter dem hellen Schein” von Hanna Caspian

Foto:@Tanja Rothert

Klappentext:

Der Start der großen Trilogie der Bestseller-Autorin im Paperback-Format über ein Schloss in Brandenburg und seine Bewohnerinnen und Bewohner

Anfang des 20. Jahrhunderts: Die achtzehnjährige Adelheid, Tochter eines Tagelöhners, soll auf Schloss Liebenberg als Stubenmädchen anfangen. Niemals hätte sie sich so ein Glück träumen lassen, denn nun kann sie für ihre hungernde Familie sorgen. Außerdem darf sie mit Viktor, einem der Diener, zusammenarbeiten, zu dem sie sich vom ersten Moment an hingezogen fühlt. Doch ihr Glück dauert nicht lange an, denn es ruft Neider auf den Plan, die das unschuldige Mädchen in eine Falle locken. Adelheid wird zum Hausmädchen degradiert und muss nun mit der erfahrenen Hedda Pietsch zusammen in einer kleinen Stube wohnen.

Die beiden jungen Frauen werden zu Freundinnen in höchster Not – und zu Zeuginnen eines der größten Skandale des deutschen Kaiserreichs … Unbezahlte Werbung. Coverrechte: Droemer Knaur Verlag

Tanjas Meinung:

„Es ist nicht alles Gold was glänzt“

 

An diesem Buch konnte und wollte ich nicht vorbeigehen. Denn sobald ich wusste, dass die Handlung des Buches aus der Sicht der Dienstbot*innen geschildert wird, war bei mir die Neugier geweckt. Bücher über die hohen Herrschaften oder Bessergestellten gibt es zur Genüge. Dabei sind es doch gerade die einfachen Personen von ganz unten, die ein herrschaftliches Haus am Laufen halten. Die oftmals bis zu 18-Stunden-Tage sind gefüllt mit anstrengender Arbeit, Freizeit gab es wenig, Unzulänglichkeit und Fehler wurden gleich bestraft bis hin zum Lohnabzug. Auch körperliche Züchtigung war zu Anfang des 20.Jahrhunderts noch sehr gängig. Dies wirkte sich dann auch auf die Familien der Dienerschaft aus, die teilweise von dem minimalen Verdienst mitversorgt wurden. Gerade die Anstellung in einem hoch angesehenen Haushalt war extrem begehrt.

In diesem Buch kann es die 18-jährige Adelheid, Tochter eines Tagelöhners gar nicht fassen, als sie von der Fürstin zu Eulenburg ausgerechnet als Stubenmädchen eingestellt wird. Unter den Dienstboten ist dies ein Skandal, weiß doch jeder, dass man sich die Stellung erarbeiten muss und der Aufstieg streng nach Hierarchie geht. Begonnen wird auf der untersten Stufe als Küchen- oder Hausmädchen, erst darüber kommen die Stubenmädchen. Das ist gerade dem 1. Hausmädchen Lydia Keller ein Dorn im Auge, denn ihr hätte als Aufstieg der Posten des neuen Stubenmädchens zugestanden. Mit viel List und Tücke schafft sie es, dass die fleißige und kluge Adelheid unschuldig zum Hausmädchen degradiert wird. Das bedeutet noch weniger Lohn, um ihre Familie mit dem Kauf von Lebensmitteln und Kohlen zu unterstützen, es reicht einfach hinten und vorne nicht. Gerade Adelheid habe ich gleich in mein Herz geschlossen, sie ist so lieb und unbescholten. Ich habe mich gefreut, dass sie sie sich mit Hedda Pietsch, angefreundet hat, auch wenn diese ihr beibringen möchte, wie man sich ein Stück vom Glück aneignet, ohne dass die Herrschaft etwas davon merkt. Da Hedda jedoch das Herz am rechten Fleck hat, konnte ich ihr die kleinen Vergehen nachsehen. Erstaunlich fand ich, wie wenig die Dienstboten teilweise Privates voneinander wissen. Jeder hat seine besondere Geschichte und meist sein Päckchen zu tragen. Gerade der junge Diener Viktor Nowak trägt ein Geheimnis mit sich herum, welches ihm die Stellung kosten könnte. Auch die Mamsell, Frau Reineke, scheint nicht unfehlbar zu sein. Der oberste Diener Herr Opitz herrscht über alle mit strenger Hand, jeder kleine Fehler landet in seiner -Kartei der Verfehlungen-, welche er sodann als Druckmittel verwendet.

Als Sahnehäubchen des Buches hat Frau Caspian die fiktive Geschichte über die Dienstbot*innen auf Schloss Liebenberg mit dem seinerzeitigen Skandal um den Fürsten Philipp zu Eulenburg und dessen Einfluss auf das Kaiserreich perfekt verwoben. Mehr und mehr verhärten sich die Anschuldigungen des Journalisten Harden, der u.a. den Fürsten der Homosexualität beschuldigt sowie an einer heimlichen Nebenregierung des Kaisers, der sogenannten Eulenburger Tafelrunde, beteiligt zu sein. Welche Folgen hat die Niederlegung aller öffentlichen Ämter von Fürst Eulenburg für die Fürstenfamilie und ihre Angestellten? Wird er weiterhin Stillschweigen bewahren oder sich gegen die Vorwürfe verteidigen? Mit Spannung sehe ich der Fortsetzung entgegen, welche im Frühjahr des kommenden Jahres erscheinen wird. Begründet durch den wunderbar flüssigen Schreibstil bin ich nur so durch die Geschichte geflogen.

Herzlichen Dank Hanna Caspian für die fesselnden und interessanten Lesestunden, die mich sehr begeistern konnten. Von mir erhält Band 1 der neuen Saga eine klare Leseempfehlung mit 5 von 5 Sternen.

Tanjas Fazit:

In diesem Buch wurden historische Gegebenheiten und Fiktion perfekt miteinander vereint. Von der Frau Caspian bestens recherchiert fühlte ich mich zurückversetzt ins Jahr 1906 als stille Beobachterin des Geschehens hinter dem hellen Schein des Schlosses Liebenberg. Wie schön, dass die Autorin in dieser neuen Saga der Dienerschaft das Wort verliehen hat. Sie hat jedem einzelnen Charakter authentisch Leben eingehaucht und diese mit Ecken und Kanten versehen. Es gab Personen, die ich gleich ins Herz geschlossen habe, doch auch solche, für die ich wenig Verständnis aufbringen konnte und deshalb bei mir eher auf Ablehnung trafen. In allem ein absolutes Lesevergnügen.

Hanna Caspian

Die SPIEGEL-Bestseller-Autorin Hanna Caspian beleuchtet mit ihren gefühlvollen und spannungsgeladenen Sagas bevorzugt fast vergessene Themen deutscher Geschichte.
Hanna Caspian studierte Literaturwissenschaften, Politikwissenschaft und Sprachen in Aachen und arbeitete danach lange Jahre im PR- und Marketingbereich. Mit ihrem Mann lebt sie heute als freie Autorin in Köln, wenn sie nicht gerade durch die Weltgeschichte reist.

 

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